Ortmann

Nicht besonders schnell fuhr ich mit meinem Auto zur Arbeit. Felder und Alleebäume standen in voller Pracht und waren Ende August besonders schön anzusehen. Dreißig Minuten dauert mein Weg zur Arbeit und heute ist, neben der ausgesprochen schönen anzuschauenden Flora, ein ganz besonderer Tag.

Kollege Ortmann kommt heute aus dem Urlaub zurück!

Drei Wochen war er nicht mehr an seinem Arbeitsplatz. Schon beim Befahren des schlecht ausgebauten und holprigen Parkplatzes unserer Behörde schaute ich neugierig, ob das Auto von Ortmann bereits an seinem angestammten Platz steht.

Die Parkplätze in unserer Behörde sind in Mitarbeiterparkplätze im hinteren Bereich und Parkplätze direkt am Haupteingang für Behördenfahrzeuge eingeteilt sind. Das hat für die Mitarbeiter natürlich den Nachteil, dass sie jeweils zu Dienstbeginn und Dienstende, entweder von Ihrem PKW zum Haupteingang oder umgekehrt über 100 Meter zu Laufen haben. Nur die Behördenparkplätze sind so angelegt, dass es nur 50 Meter bis zum Eingang sind.

Ortmann hat sich aufgrund seiner langjährigen Behördenzugehörigkeit, für seinen privaten PKW, einen von diesen Behördenparkplätze sichern können.
Eigens dafür wurde vor Jahren ein Behördenfahrzeug, durch Ortmann persönlich, in die Garage am Ende der Liegenschaft gefahren und dieses kann bei Bedarf von dort geholt werden.
Ortmanns Parkplatz war heute noch nicht belegt, was in mir den Schluss zuließ, dass Ortmann noch nicht da war. Nun war es aber auch erst 09:30 Uhr morgens und da ist es gut möglich, dass er jeden Augenblick zur Arbeit kommt. Ortmann beginnt seinen Arbeitstag meist schon am frühen Vormittag, was von den meisten Kollegen hochachtungsvoll zur Kenntnis genommen wird.
So stieg ich nun etwas behäbigen Schrittes in mein Büro in der dritten Etage, was zum Zeitpunkt meines Betretens so stark aufgeheizt war, dass ich alle Fenster aufreißen musste.
Der Vorteil dieses Büros ist aber das ich den Parkplatz, einschließlich den von Ortmann, gut einsehen kann.

Nach einem kurzen Frühstück blickte ich erneut auf und sah auf dem Ortmannschen Behördenparkplatz seinen goldfarbenen Familienvan. Ein Surfbrett befand sich noch auf der Dachreling und lässt unzweifelhaft erkennen, dass Ortmann im Urlaub war.
Ortmann selbst befand sich vor diesem PKW und unterhielt sich angeregt mit einem Arbeitskollegen. Eine Hand hatte Ortmann dabei an das Surfbrett gelegt und die andere in der Hosentasche. Die Sonnenbrille hatte er wie eh und je aufgesetzt, wenn er zur Arbeit kam. Sagt immer, sein Innenspiegel zeige ihm ständig einen blendenden Typen und die Brille wäre daher unabdingbar. Der Ortmann, könnte mich kaputt lachen über seinen Humor.

Zu Ortmann muss mann wissen, er ist im besten Mannesalter. 43 Lenze jung, wie er es gerne zu sagen pflegt und knapp 1,75 Meter groß. Etwas schütteres Haar hat er, was er perfekt verdeckt indem er seine Sonnenbrille nach oben auf die Mitte des Kopfes schiebt, ähnlich wie es die Frauen mit ihren Haarreifen machen. Ortmann treibt sehr viel Sport, bis zu dreimal die Woche für eine Stunde und das sieht man ihm an. Er ist sehr schlank, fast hager.
Gerne ist er in Jeans, Turnschuhen und Pullover auf Arbeit, außer auf Konferenzen, da trägt er gern aufwändig gebügelte Clockhouse Hemden.

Seit einer halben Stunde nun ist er schon mit dem Kollegen in die Unterhaltung vertieft. Das Surfbrett von Ortmanns Auto wurde bereits von der Dachreling geholt und wird von beiden inspiziert. Eine Kollegin geht grüßend vorbei, wird aber durch Ortmann zurückgewunken. Nun schauen Sie zu dritt auf das Surfbrett und Ortmann erklärt augenscheinlich irgendwas, stellt sich lachend auf das Brett und fordert die Kollegin auf es ihm gleichzutun. Die lehnt ab.

Leider sehe ich das alles nur von meinem Fenster aus und würde zu gern nach unten gehen, um an der Unterhaltung teilhaben zu können. Mein Telefon klingelt. Ich gehe ran, obwohl ich mich immer noch mit dem Gedanken trage nach unten zu gehen.
Das Telefongespräch zieht sich etwas länger hin und als ich das nächste Mal auf den Parkplatz schaue, ist niemand mehr am Auto und das Surfbrett wieder fest vertaut.

Ich mache mich auf dem Weg zum Chef, wegen des Telefonats. Mein Vorgesetzter hat heute noch einen Bericht zu fertigen, worüber ich Ihn in Kenntnis setzen muss. Eine Etage nach unten direkt neben dem Waschraum steht seine Bürotür leicht offen und ich klopfe. Eine „Herein“ höre ich nicht, allerdings die Stimme von Ortmann, wie er den Chef unterhält. Ich trete trotzdem ein und entschuldige meine Störung. Ortmann und Chef blicken mich an und Ortmann sagt mir freudig, dass er gleich in mein Büro kommt, um ein bisschen „knautschen“.
Bedeutet soviel wie sich unterhalten und ich freue mich sehr darauf. Der Chef sagt mit fester Stimme ich soll kurz draußen warten, er spricht erst mit Ortmann.

Ich verlasse darauf sein Büro, um mich vor die Tür zu begeben. Soll ich die Tür zu machen, frage ich. Nein, kann offen bleiben, grantelt der Chef kurz zurück.
Vor der Tür kann ich jedes Wort verstehen, beide haben ein lautes kräftiges Organ, wobei größtenteils Ortmann über seine  Erlebnisse der letzten Wochen spricht.

Bestes Wetter im Urlaub, er war ja 14 Tage an der Ostsee. Alles war perfekt einschließlich das Essen. Ortmann war mit seiner Familie und Campinganhänger an der Ostsee. Haben sich jeden morgen 15 Brötchen gekauft und die über den Tag verteilt gegessen. Das war so romantisch, sagt Ortmann. Surfen ist jetzt sein Hobby und das seiner Frau. Auch hat er einen Surfschein gemacht.
Den braucht man, wenn man sich Surfutensilien ausleihen will. Er war in einer Bucht und ist jeden Tag von der einen bis zu anderen Seite gesurft und das bei unterschiedlichen Windstärken.
Das dies ein super Urlaub gewesen sein muss, wurde durch mehrmaliges Wiederholen des Gesagten verdeutlicht.

Obwohl ich nur stiller Zuhörer bin, faszinieren mich die Erzählungen immens. Ortmann hat mir ja noch versprochen zu mir zu kommen.
Ortmann sagt dem Chef nun, dass er mitkommen soll und sich unbedingt sein Surfbrett anschauen muss. Er hat sich an der Ostsee gleich ein Profibrett gekauft, weil er wesentlich besser gesurft ist als die anderen Anfänger, die ständig seine Fahrrinne kreuzten.
Der Chef ging mit ihm nach unten und er verwies mich darauf den geforderten Bericht zu schreiben und vor dem Mittag abzugeben. Dann waren beide im Fahrstuhl verschwunden. Ich gehe wieder nach oben und sehe nachdem ich mich gesetzt habe, von meinem Fenster aus, Ortmann und den Chef.

Das Surfbrett wurde von Ortmanns Dachreling gehievt und wird von beiden inspiziert.
Ein Mitarbeiter vom Facility Management geht grüßend vorbei, wird aber durch Ortmann zurück gewunken. Nun schauen Sie zu dritt auf das Surfbrett und Ortmann erklärt augenscheinlich irgendwas, stellt sich lachend auf das Brett und fordert den Hausmeister auf es ihm gleichzutun. Der lehnt ab.

Ich schreibe bis zum Mittag den geforderten Bericht und auf dem Weg zur Kantine gebe ich diesen wie befohlen ab. Die Schlange vor der Essenausgabe ist lang, obwohl das Essen mäßig ist.
Nach 10 Minuten anstehen und noch 2 vor mir Wartenden, spricht mich Ortmann von der Seite an, dass er später noch in mein Büro kommt. Wie selbstverständlich äußert er seine Essensbestellung. Er will Nudeln mit Tomatensoße und Jägerschnitzel. Wie man ein Jägerschnitzel so verbrennen lassen und Nudeln so pappig kochen kann, ist mir ein Rätsel. Die Alternative ist aber keine und nennt sich „Küchenallerlei mit Stampfkartoffeln“.
Also bitte ich auch um eine Portion Nudeln mit Tomatensoße, worauf der Herr der Essenausgabe mir folgendes freundlich mitteilt: „Alle!“.

Auf dem Weg zur Salatbar sehe ich wie Ortmann sich an einen Tisch mit zwei Damen setzt, welche sich angeregt unterhalten. Das Tablett mit seinen Nudeln in beiden Händen und die Sonnenbrille auf dem Kopf setzt er sich zu Ihnen.
Ich kredenze mir einen Salat und setze mich an den Nebentisch, da nur noch dieser eine Platz frei ist.
Obwohl ich allein sitze wird mir nicht langweilig, da ich Ortmanns Ausführungen am Nebentisch folgen kann, welchen neben mir auch die Damen interessiert folgen.

Bestes Wetter im Urlaub, er war ja 14 Tage an der Ostsee. Alles war perfekt einschließlich das Essen. Ortmann war mit seiner Familie und Campinganhänger an der Ostsee. Haben sich jeden morgen 15 Brötchen gekauft und die über den Tag verteilt gegessen. Das war so romantisch, sagt Ortmann. Surfen ist jetzt sein Hobby und das seiner Frau. Auch hat er einen Surfschein gemacht.
Den braucht man, wenn man sich Surfutensilien ausleihen will. Er war in einer Bucht und ist jeden Tag von der einen bis zu anderen Seite gesurft und das bei unterschiedlichen Windstärken.
Das dies ein super Urlaub gewesen sein muss wurde durch mehrmaliges wiederholen des Gesagten verdeutlicht.

Warum eine der beiden Damen ständig gähnt, erschließt sich mir nicht und als die andere ihn fragt, ob er ein Surfbrett geliehen hat oder gekauft hat, bietet er beiden an mitzukommen und sich sein Surfbrett anzuschauen. Er hat sich an der Ostsee gleich ein Profibrett gekauft, weil er wesentlich besser gesurft ist als die anderen Anfänger, die ständig seine Fahrrinne kreuzten.
Beide Damen sind hellauf begeistert und folgen ihm zu seinem Fahrzeug auf dem Parkplatz.

Als ich mich satt und zufrieden in mein Büro befinde, sehe ich auf dem Parkplatz Ortmann nebst den beiden Damen, aus der Kantine.
Das Surfbrett wurde von Ortmanns Dachreling gehievt und wird von allen inspiziert.
Niemand geht zufällig an Ortmann vorbei, den er zurück winken kann. Sie schauen nur zu dritt auf das Surfbrett und Ortmann erklärt augenscheinlich irgendwas, stellt sich lachend auf das Brett und fordert die Damen auf es ihm gleichzutun. Die lehnen ab.

Ich senke den Kopf tippe einen weiteren Bericht, welchen ich auch fertigstelle, als es plötzlich klopft. Ich sage nicht herein, aber die Tür öffnet sich trotzdem. Ortmann tritt ein und erzählt mir freudig, dass er heute den ersten Tag wieder auf Arbeit ist und im Urlaub war. Er setzt sich und ich bekomme Kopfschmerzen, obwohl ich mich doch so auf ihn gefreut habe.